UK Civil Aviation Bill 2026: Was der Gesetzentwurf für UK261-Fluggastrechte bedeuten könnte

Das Vereinigte Königreich will verändern, wie Fluggastrechte durchgesetzt und künftig angepasst werden können. Die geltenden UK261-Entschädigungsregeln wurden dadurch jedoch nicht ersetzt. Der Civil Aviation (Consumer Protection and Regulatory Reform) Bill hat seine Beratungen im House of Lords im Juli 2026 abgeschlossen und wurde an das House of Commons weitergeleitet. Die verbraucherrechtlichen Bestimmungen sollen der britischen Zivilluftfahrtbehörde stärkere Durchsetzungsinstrumente geben und Befugnisse wiederherstellen, mit denen Fluggastrechte künftig geändert werden könnten.

Für Reisende mit einer aktuellen Flugstörung ist die praktische Aussage klar: Maßgeblich bleiben die derzeit geltenden UK261-Regeln. Der Gesetzentwurf führt selbst keine neue Entschädigungstabelle ein und ändert nicht automatisch, ob ein bestimmter Flug anspruchsberechtigt ist.

Wo steht der britische Civil Aviation Bill?

Der Civil Aviation (Consumer Protection and Regulatory Reform) Bill ist ein Regierungsentwurf zu Verbraucherschutz, Luftraummodernisierung, Flugsicherheit, Flughafen-Slots und weiteren regulatorischen Befugnissen. Die dritte Lesung im House of Lords fand am 20. Juli 2026 statt. Anschließend wurde der Gesetzentwurf an das House of Commons übermittelt.

Ein Gesetzentwurf im parlamentarischen Verfahren ist nicht dasselbe wie ein bereits geltendes Gesetz, das individuelle Ansprüche verändert. Solange die einschlägigen Bestimmungen nicht Gesetz geworden und gegebenenfalls weitere Vorschriften erlassen worden sind, sollten Reisende nicht davon ausgehen, dass Reformmeldungen ihre heutigen UK261-Rechte verändert haben.

Was würde sich bei den Fluggastrechten ändern?

Die Reform wirkt vor allem auf zwei Ebenen. Erstens schlägt die Regierung stärkere Verwaltungsbefugnisse für die britische Civil Aviation Authority (CAA) vor. Nach Angaben des Verkehrsministeriums soll die Behörde schneller handeln können, wenn Fluggesellschaften oder Flughäfen verbraucherrechtliche Pflichten systematisch nicht erfüllen.

Zweitens soll der Gesetzentwurf Befugnisse wiederherstellen, mit denen das Vereinigte Königreich Vorschriften zu Fluggastrechten über nachgeordnetes Recht erlassen und ändern kann. Nach dem Austritt aus der EU entfiel die allgemeine Befugnis, die zuvor für Änderungen in diesem Rechtsbereich genutzt wurde.

Eine Befugnis, künftig Regeln zu ändern, ist noch keine neue Entschädigungsregel.

Was bleibt bei UK261 heute unverändert?

UK261 bleibt der maßgebliche Rahmen für wichtige Rechte auf qualifizierenden Flügen mit Bezug zum Vereinigten Königreich. Nach aktuellen CAA-Hinweisen können je nach Fall Rechte auf Betreuung, Erstattung oder anderweitige Beförderung sowie pauschale Entschädigungen bei Verspätung, Annullierung und Nichtbeförderung bestehen.

Bei Verspätungen kann eine Entschädigung möglich sein, wenn das Endziel mehr als drei Stunden verspätet erreicht wird, UK261 anwendbar ist und die Voraussetzungen erfüllt sind. Die derzeitigen pauschalen Beträge können je nach Entfernung und bei bestimmten Langstreckenverspätungen nach Dauer der Ankunftsverspätung 220 £, 350 £, 260 £ oder 520 £ pro Person betragen.

Eine Entschädigung erfolgt nicht automatisch. Außergewöhnliche Umstände können die pauschale Entschädigung ausschließen, während Betreuungspflichten weiterhin bestehen können. Die aktuellen Regeln erläutert Airdelays UK261-Entschädigungsleitfaden.

Warum sind stärkere CAA-Befugnisse wichtig?

Die CAA setzt UK261 bereits durch. Nach Darstellung der Regierung kann das derzeitige System jedoch langwierige und kostspielige Gerichtsverfahren erfordern. Die regulatorische Bewertung weist zudem darauf hin, dass der CAA bestimmte unmittelbare Sanktions- und Informationsbefugnisse fehlen.

Der Gesetzentwurf soll direktere administrative Instrumente schaffen. Dadurch könnten systematische Verstöße leichter untersucht und Maßnahmen ergriffen werden, wenn Fluggastrechte generell nicht eingehalten werden.

Das ergänzt das bereits laufende UK261-Compliance-Programm der CAA. Nach Angaben der Behörde konzentriert es sich zunächst auf die 25 größten Fluggesellschaften, die vom Vereinigten Königreich aus fliegen und rund 90 % der kommerziell reisenden Fluggäste abdecken.

Kann UK261 später geändert werden?

Ja, grundsätzlich schon. Die Unterlagen des Regulatory Policy Committee erläutern, dass Befugnisse wiederhergestellt werden sollen, mit denen das Vereinigte Königreich Vorschriften zu Fluggastrechten über nachgeordnetes Recht erlassen und ändern kann. Zugleich wird festgehalten, dass der primäre Vorschlag selbst keine unmittelbaren regulatorischen Auswirkungen hat.

Eine konkrete UK261-Schwelle, ein Entschädigungsbetrag oder eine Anspruchsvoraussetzung gilt daher erst dann als geändert, wenn tatsächlich eine Rechtsänderung erfolgt. Airdelays Vergleich von EU261, UK261 und türkischen Fluggastrechten erklärt, warum die Wahl des richtigen Rechtsrahmens entscheidend ist.

Was bedeutet das für UK–Türkiye-Flüge und AJet-Passagiere?

Für Reisende zwischen dem Vereinigten Königreich und Türkiye ändert der Gesetzentwurf nicht die Notwendigkeit, den auf den konkreten Flug anwendbaren Rechtsrahmen zu bestimmen. Nach aktueller CAA-Auskunft erfasst britisches Recht Flüge, die von einem Flughafen im Vereinigten Königreich abfliegen, unabhängig von der Fluggesellschaft. Bei bestimmten Flügen in das Vereinigte Königreich ist dagegen relevant, ob eine britische oder EU-Fluggesellschaft den Flug durchführt.

Diese Unterscheidung nach Flugrichtung ist bei einer in Türkiye ansässigen Fluggesellschaft wie AJet besonders wichtig. Ein AJet-Flug ab einem britischen Flughafen kann wegen des Abflugorts unter UK261 fallen. Ein von AJet durchgeführter Flug von Türkiye in das Vereinigte Königreich erfordert eine andere Prüfung, weil AJet keine britische oder EU-Fluggesellschaft ist.

Auf dem Rückweg können dennoch türkische Fluggastrechte oder ein anderer anwendbarer Rahmen relevant sein. Weitere Informationen bieten Airdelays Leitfaden zu UK–Türkiye-Flügen und UK261 sowie der AJet-Entschädigungsleitfaden.

Was sollten Reisende jetzt tun?

  1. Prüfen Sie anhand von Strecke und ausführender Fluggesellschaft, welches Fluggastrechtesystem anwendbar sein kann.
  2. Bewahren Sie Buchungsdaten, Mitteilungen der Fluggesellschaft und Nachweise zur Störung auf.
  3. Notieren Sie die tatsächliche Ankunftszeit am Endziel.
  4. Bewahren Sie Belege für angemessene Ausgaben auf.
  5. Unterscheiden Sie Erstattung, anderweitige Beförderung, Betreuung und pauschale Entschädigung.
  6. Wenden Sie die Regeln an, die zum Zeitpunkt der Störung gelten.

Eine praktische Checkliste finden Sie in Airdelays Leitfaden zu den Nachweisen, die Sie bei einer Flugverspätung aufbewahren sollten.

Was passiert als Nächstes?

Der nächste wichtige Schritt ist der weitere parlamentarische Weg im House of Commons und mögliche Änderungen vor der Royal Assent. Danach wird entscheidend sein, ob die Regierung die wiederhergestellten Befugnisse für konkrete Änderungen der britischen Fluggastrechte nutzt.

Bis dahin sollten Reisende die Reform der Durchsetzungs- und Regelsetzungsmechanismen klar von den heute geltenden UK261-Regeln unterscheiden.

Offizielle Quellen

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2026. Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zu Fluggastrechten und entscheidet nicht über die Berechtigung eines individuellen Entschädigungsanspruchs.

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