Internationale Fluggastrechte

Montrealer Übereinkommen: Gepäck, Verspätung und Entschädigung

Das Montrealer Übereinkommen regelt die Haftung von Airlines bei vielen internationalen Reisen. Es kann bei verlorenem, beschädigtem oder verspätetem Gepäck sowie bei nachweisbaren finanziellen Schäden durch eine Flugverspätung relevant sein.

Es funktioniert anders als EU261 und UK261: Meist geht es darum, welchen Schaden Sie nachweisen können, nicht um eine feste Entschädigungsstufe.

Überblick zum Montrealer ÜbereinkommenDas Montrealer Übereinkommen (MC99) ist ein internationaler Vertrag über die Haftung von Luftfahrtunternehmen bei internationalen Beförderungen im Geltungsbereich des Übereinkommens. Dieser Leitfaden konzentriert sich auf Gepäckprobleme und nachweisbare finanzielle Schäden durch Verspätung.

Das Montrealer Übereinkommen sieht keine pauschale Auszahlung vor

Das Übereinkommen legt Haftungsregeln und Höchstgrenzen fest. Eine Grenze von 1.519 SDR bedeutet nicht, dass jedes Gepäckproblem mit 1.519 SDR entschädigt wird. Entscheidend sind der nachgewiesene Schaden und die anwendbaren Regeln.

01 · Geltungsbereich

Wann gilt das Montrealer Übereinkommen?

Artikel 1 definiert internationale Beförderung genauer als die bloße Bezeichnung „internationaler Flug“. Erfasst sind insbesondere Beförderungen zwischen zwei Vertragsstaaten; unter bestimmten Voraussetzungen auch Reisen innerhalb eines Vertragsstaats mit vereinbartem Zwischenstopp in einem anderen Staat.

Auf die Reise kommt es an, nicht auf die Nationalität der Airline

Anders als bei manchen EU261-Prüfungen hängt die Anwendung nicht einfach davon ab, ob die ausführende Airline europäisch ist. Maßgeblich sind die vereinbarte internationale Beförderung und der Vertragsstatus der beteiligten Staaten.

Andere Fluggastrechte können daneben gelten

EU261 oder UK261 können standardisierte Rechte bei Flugstörungen regeln, während das Montrealer Übereinkommen für einen gesonderten nachgewiesenen Verspätungs- oder Gepäckschaden relevant sein kann.

02 · Haftungsgrenzen

Zwei wichtige Haftungsgrenzen für Passagiere

Die von der ICAO angepassten Grenzen gelten seit dem 28. Dezember 2024. SDR steht für Sonderziehungsrecht, eine vom IWF definierte internationale Recheneinheit. Da der Gegenwert schwankt, werden die Beträge hier in SDR angegeben.

Haftungsgrenze für Gepäck1.519 SDR

Pro Passagier bei Zerstörung, Verlust, Beschädigung oder Verspätung von Gepäck.

Keine automatische Auszahlung; der tatsächliche Schaden muss belegt werden.
Haftungsgrenze bei Passagierverspätung6.303 SDR

Pro Passagier für Schäden, die durch eine Verspätung bei der Personenbeförderung entstehen.

Nicht mit pauschaler EU261-/UK261-Entschädigung gleichzusetzen.
Hier beginnen

Was ist passiert?

Beginnen Sie mit dem konkreten Vorfall und prüfen Sie danach die rechtlichen Einzelheiten.

7

Gepäck beschädigt angekommen

Fotografieren Sie den Schaden, melden Sie ihn unverzüglich und reichen Sie die erforderliche schriftliche Beschwerde binnen 7 Tagen nach Erhalt des aufgegebenen Gepäcks ein.

21

Gepäck verspätet angekommen

Bewahren Sie Belege für notwendige Käufe auf. Die schriftliche Beschwerde muss spätestens 21 Tage nach Bereitstellung des Gepäcks erfolgen.

?

Gepäck weiterhin verschwunden

Erkennt der Beförderer den Verlust an oder ist aufgegebenes Gepäck 21 Tage nach dem vorgesehenen Ankunftstag nicht eingetroffen, können die Rechte aus dem Beförderungsvertrag geltend gemacht werden.

Verspätung verursachte finanziellen Schaden

Bewahren Sie Belege für den tatsächlichen Schaden und dessen Zusammenhang mit der Verspätung auf. Artikel 19 sieht unter bestimmten Voraussetzungen eine Verteidigung des Beförderers vor.

3h

Sie kamen einfach sehr spät an

Prüfen Sie zusätzlich EU261 oder ein anderes anwendbares Fluggastrecht. Montreal-Schadensersatz und pauschale Entschädigung sind unterschiedliche Fragen.

i

Aufgegebenes oder Handgepäck?

Das Übereinkommen behandelt beides unterschiedlich. Für aufgegebenes Gepäck gilt ein besonderes Haftungsregime; bei nicht aufgegebenem Gepäck und persönlichen Gegenständen spielt Verschulden eine Rolle.

03 · Schadensarten

Gepäck- und Verspätungsansprüche folgen unterschiedlichen Wegen

Beschädigtes Gepäck

Dokumentieren Sie den Zustand sofort, melden Sie den Schaden der Airline und bewahren Sie Reparatur- oder Ersatznachweise auf.

Schaden durch Passagierverspätung

Montreal kann nachweisbare Schäden durch Verspätung erfassen. Das ist nicht dasselbe wie eine pauschale Zahlung nach EU261 oder UK261.

04 · Fristen

Schriftliche Beschwerdefristen können sehr kurz sein

Artikel 31 enthält besondere schriftliche Fristen für Gepäckbeschwerden. Artikel 35 regelt daneben eine zweijährige Frist für die gerichtliche Geltendmachung von Schadensersatz.

7 Tage

Beschädigtes aufgegebenes Gepäck: schriftliche Beschwerde spätestens sieben Tage nach Erhalt.

21 Tage

Verspätetes Gepäck: schriftliche Beschwerde spätestens 21 Tage nach dem Tag, an dem das Gepäck bereitgestellt wurde.

2 Jahre

Schadensersatzklage: Nach Artikel 35 erlischt der Anspruch, wenn nicht innerhalb von zwei Jahren nach den Regeln des Übereinkommens Klage erhoben wird.

Das sind unterschiedliche Fristen. Die 7- und 21-Tage-Fristen betreffen schriftliche Gepäckbeschwerden; die Zweijahresfrist betrifft die Klage. Melden Sie Gepäckprobleme daher umgehend und bewahren Sie den Versandnachweis auf.

05 · Häufige Verwechslung

Montrealer Übereinkommen vs. EU261 / UK261

Montrealer Übereinkommen

  • Haftungsrahmen für internationale Beförderung
  • Wichtig bei Verlust, Beschädigung und Verspätung von Gepäck
  • Kann nachweisbare Schäden durch Passagierverspätung erfassen
  • Haftungsgrenzen in SDR

EU261 / UK261

  • Regionale Fluggastrechte
  • Können bei qualifizierender Verspätung, Annullierung oder Nichtbeförderung pauschale Entschädigung vorsehen
  • Anspruch hängt von Strecke, Airline und Störungsgrund ab
  • Betreuungs-, Erstattungs- und anderweitige Beförderungsrechte können separat gelten
06 · Unterlagen

Diese Nachweise sollten Sie vor der Kontaktaufnahme sichern

Eine vollständige Dokumentation stärkt den Anspruch

✓ Buchungsbestätigung und E-Ticket
✓ Bordkarte
✓ Gepäckanhänger und Gepäckbeleg
✓ Gepäckbericht und Fotos
✓ Fotos von Gepäckschäden
✓ Quittungen sowie Reparatur-/Ersatznachweise
✓ Schriftverkehr mit der Airline
✓ Nachweise für den Zusammenhang zwischen Kosten und Verspätung oder Gepäckproblem
07 · Kurze Antworten

Häufige Fragen zum Montrealer Übereinkommen

Wichtige Fragen zu Gepäckgrenzen, parallelen Fluggastrechten und erforderlichen Nachweisen.

Zahlt das Montrealer Übereinkommen für jedes verlorene Gepäckstück 1.519 SDR?

Nein. 1.519 SDR ist die aktuelle Haftungshöchstgrenze pro Passagier, keine garantierte Pauschalzahlung.

Kann ich Ansprüche nach EU261 und dem Montrealer Übereinkommen haben?

Grundsätzlich können beide Regelwerke relevant sein, weil sie unterschiedliche Rechtsfragen behandeln. Derselbe Schaden wird jedoch nicht automatisch doppelt ersetzt.

Was ist ein SDR?

SDR steht für Sonderziehungsrecht. Es wird vom Internationalen Währungsfonds definiert; der Gegenwert in Euro, Pfund oder Dollar verändert sich.

Reicht ein Property Irregularity Report für einen Gepäckanspruch?

Er ist ein wichtiger Nachweis, ersetzt aber nicht zwingend jede erforderliche schriftliche Beschwerde. Bewahren Sie den Bericht auf und halten Sie die geltenden Fristen ein.

Was gilt, wenn die Airline alle zumutbaren Maßnahmen gegen die Verspätung ergriffen hat?

Artikel 19 sieht eine Verteidigung vor, wenn der Beförderer nachweist, dass alle vernünftigerweise erforderlichen Maßnahmen getroffen wurden oder unmöglich waren.

Primärquellen

Offizielle Quellen für diesen Leitfaden

ICAO — Montrealer Übereinkommen 1999

ICAO — aktuelle Vertragsstaaten

ICAO — angepasste Haftungsgrenzen ab 28. Dezember 2024

Nicht sicher, welche Fluggastrechte gelten?

Beginnen Sie mit Strecke und Problemart. Gepäckanspruch, nachweisbarer Verspätungsschaden und pauschale Flugentschädigung sind nicht zwingend dasselbe.